PHILIP LORENZ WORK EXHIBITIONS PRESS ABOUT CONTACT

 

 

 

Interview mit PHILIP LORENZ , im Atelier des Künstlers

aus der Reihe Junge Kunst Köln

"Und wenn man dann überrascht wird, vom Bild,
 das ist, was mich interessiert."

 

Fangen wir an? – Gut! Worüber wollen wir sprechen?

Du machst ja sehr unterschiedliche Sachen: Malerei, Illustration, Fotografie, Film, Skulptur – bis hin zu Happening oder Performance. Was nehmen wir?

Malerei!

Reden wir über die Serie mit den Ästen? – Seit wann arbeitest Du mit diesem Motiv?

Das hat mit einer Skulptur angefangen – oder Installation, wie man’s nimmt.

Erzähl doch mal!

Das war eine ganz spontane Geschichte. Am Rheinufer wurden die Bäume geschnitten. Und das hat mir gefallen. Das Knacken der Äste, der Geruch, das nasse Holz. Und diese Stimmung wollte ich genießen, für mich. Und dann habe ich ein paar Mal das Auto vollgeladen und die Skulptur im Schaufenster gemacht.

In deinem Schaufenster! Dein früheres Atelier war ja ein Ladenlokal. Da hast Du geradezu im Schaufenster gearbeitet. Jetzt bist Du hier in einem Keller, Hochwasser gefährdet, fern ab vom Publikum. Warum dieser Wechsel?

Also erstmal ist das hier eine Übergangslösung. Und das Ladenlokal war ein Experiment.

Ein Experiment?

Ja! Das Zusammenlegen von Publikum und Arbeit.

Und? Hat es geklappt?

Nein!

Warum nicht?

Es war ein stetiger Ort und immer das gleiche Publikum, das war uninteressant. Das werde ich so auch nicht noch mal machen. Aber der Bezug zum Publikum ist mir wichtig. Ideal wären zwei Arbeitsplätze. Ein Arbeitsort, um das Publikum zu bespielen, und ein weiterer Arbeitsort, ein abgeschotteter Arbeitsbereich. Lustig – hab ich schon lang nicht mehr drüber nachgedacht.

Worüber?

Über das Publikum – das Bespielen!

Fehlt dir das Publikum hier?

Nein! Wichtiger ist mir der Austausch mit anderen Künstlern, mit Freunden und Bekannten, die mich hier besuchen kommen und die meine Sachen anschauen und was dazu sagen, oder auch nicht. Dann trinken wir ein Bier oder so – und unterhalten uns.

So wie wir. Zurück zu den Ästen. Wann kam der Übergang zur Malerei?

Das in die Malerei einzubauen? Nach etwa zwei bis drei Monaten kam die Idee. Das Spannende an der Skulptur war ja das Licht, das durchscheinende Licht, das Diffuse, dass es sich ständig verändert hat. Und das Licht hab ich dann als Projektionsmittel genommen, um die Äste auf die Leinwand zu projizieren. Das ist das erste Bild gewesen dazu. (Holt ein Bild hervor.) Das war ein Experiment! Daraus hat sich das dann weiterentwickelt – und es entwickelt sich immer noch.

Also zunächst das Bild/ ein Akt im Schaufenster, die Stimmung dann zwei bis drei Monate genossen – und dann das erste Bild gemalt.

Genau! Die Äste waren also die erste Ebene eines Bildes – seine Struktur. Von da aus konnte ich weiterarbeiten. Aber dieser erste Schritt war für mich erstmal spannend: Ein einfacher Rahmen, die Äste darin eingespannt – und mit dem Schatten experimentiert.

Und dann? Wie kommen die anderen Motive dazu?

Unterschiedlich. Das sind ja Collagen. Die ersten Bilder waren Collagen mit Elementen, die zum Teil eine Rolle spielen und zum Teil eben nicht, das ist tagesformabhängig. Ich mach ja nicht nur Malerei die ganze Zeit. Und wenn ich mich mit was Anderem beschäftige, dann fließen da natürlich auch hier Elemente mit ein. Was mich interessiert, ist ja, dass ich am Anfang nicht weiß, was am Ende bei rauskommt. Am Ende betrachtet mich das Bild genauso erstaunt wie ich das Bild.

Also wieder ein Experiment? Wie das Ladenlokal?

Experimente sind mein Ausgangspunkt. Ich finde es langweilig immer nur an einem Thema zu arbeiten. Eigentlich sind das alles Experimente bei mir. Ich hab eine Idee im Kopf, arbeite die aus, schaue mir das Resultat an und versuche weitere Schritte auszuarbeiten. Wenn man sich die Bilder anschaut, die lösen sich ja immer mehr auf.

Die Bilder lösen sich immer mehr auf? Was heißt das?

Die einzelnen Motive gehen immer mehr ineinander über. Die Motive, die ich über die Struktur der Äste lege, gleichen sich den Ästen immer mehr an. Alles geht ineinander über – am Ende bleiben nur Linien, die Information verschwimmt. Der aktuelle Punkt ist ja dieses Auflösen in den Linien. Hier beim Leierkastenmann kann man das gut sehen – das ist ja was ganz anderes als beim Hund. Wenn ich jetzt noch mehrere Bilder produzieren würde, dann wären das dann nur noch Linien.

Warum "würde"?

In der Regel arbeite ich an einem Thema und verwerfe es dann wieder. Jetzt weiß ich ja, worauf das Ganze hinausläuft. Ich bin ständig auf der Suche nach Themen und je nach Reiz arbeite ich daran.

Du hast mal gesagt: "Wenn das Bild mir zu klar wird, verliere ich das Interesse!"

Wenn ich eine Idee hab, muss ich anfangen, über verschiedene Techniken das auszuprobieren. Und das ist das Spannende für mich, wenn ich immer wieder vor ein neues Resultat gestellt werde. Und wenn man dann überrascht wird, vom Bild, das ist, was mich interessiert. Das ist woran ich arbeite! Dass ich immer wieder überrascht werde. (lacht)

Durch die eigene Arbeit!

Ja! Durch die eigene Arbeit!

Das klingt sehr stark danach, dass die Arbeiten für einen selber sind, die Kommunikation zwischen Künstler und Bild im Mittelpunkt steht und das Publikum, das wir vorhin angesprochen haben, da außen vor bleibt. Welche Rolle spielt das Publikum, der externe Betrachter oder auch der Käufer?

Der Betrachter ist mir natürlich wichtig. Aber erstmal ist es ein Dialog zwischen mir und dem Bild. Das Endprodukt Bild möchte ich möglichst schnell raus haben aus dem Atelier, damit ich mich nicht daran halte, sondern auf neue Ideen komme. Weg, weg, weg!

Weg? Verkaufen?

Ja, warum nicht – aber Geld ist nicht wichtig. Ich brauche es für Material, um neue Ideen auszuprobieren, um Sachen umzusetzen.

Ich wünsche viel Spaß mit den neuen Ideen und viele Überraschungen. Vielen Dank für das Gespräch.